Treibstoffkarten in Deutschland: Ein Leitfaden zur Beantragung und Kraftstoffkosteneinsparung
Wer in Deutschland regelmäßig mit dem Auto unterwegs ist – ob beruflich oder privat – kennt die Herausforderung steigender Kraftstoffpreise. Eine Treibstoffkarte (auch Tankkarte oder Flottenkarte genannt) kann hier eine praktische Lösung sein, um den Überblick über die Tankausgaben zu behalten und potenziell Kosten zu senken. Dieser Leitfaden erklärt objektiv, was eine Treibstoffkarte ist, wie der typische Beantragungsprozess abläuft und welche verschiedenen Modelle und Vertragsoptionen es auf dem Markt gibt.
Treibstoffkarten haben sich in Deutschland von einem Nischenprodukt zu einem zentralen Baustein moderner Fuhrpark- und Reisekostensteuerung entwickelt. Ob kleines Handwerksunternehmen oder große Logistikflotte, sie helfen dabei, Zahlungen an der Zapfsäule zu standardisieren, Transparenz zu schaffen und Abrechnungsprozesse deutlich zu verschlanken.
Was ist eine Treibstoffkarte und wie funktioniert sie?
Eine Treibstoffkarte ist im Kern ein unbarer Zahlungsweg speziell für Kraftstoff und fahrzeugbezogene Leistungen. Sie wird einem Fahrzeug oder einem Fahrer zugeordnet und an Tankstellen des jeweiligen Akzeptanznetzes genutzt. Statt mit Bargeld oder klassischer Kreditkarte zu bezahlen, wird der Betrag auf das hinterlegte Firmenkonto gebucht und später gesammelt abgerechnet.
Technisch funktioniert die Karte ähnlich wie eine Kredit- oder Debitkarte. Die Kartendaten werden an der Kasse gelesen, der Fahrer gibt in der Regel eine PIN sowie oft Kilometerstand oder Fahrzeugkennzeichen ein. Diese Zusatzinformationen erscheinen später auf der Sammelrechnung und erlauben eine exakte Zuordnung der Tankkosten zu Fahrzeugen, Touren oder Kostenstellen. Viele Anbieter stellen zudem Onlineportale zur Verfügung, in denen Transaktionen nahezu in Echtzeit einsehbar sind.
Der Beantragungsprozess: Voraussetzungen und erforderliche Unterlagen
Der erste Schritt zur Beantragung einer Treibstoffkarte besteht meist in einer kurzen Bonitätsprüfung des Unternehmens. Anbieter verlangen in der Regel grundlegende Unternehmensdaten wie Handelsregisterauszug oder Gewerbeanmeldung, Steuernummer sowie Bankverbindung für das Lastschriftverfahren. Wichtig ist auch die Angabe der voraussichtlichen monatlichen Tankumsätze und der geplanten Kartenzahl.
Je nach Anbieter wird der Antrag online über ein Formular, per E Mail oder über einen Außendienstmitarbeiter gestellt. Nach erfolgter Bonitätsprüfung legt der Anbieter ein individuelles Kreditlimit fest, innerhalb dessen getankt werden kann. Anschließend werden die Karten personalisiert produziert, mit PIN Codes versehen und getrennt versendet. Unternehmen sollten intern definieren, wer die Karten erhält, wie Verlustmeldungen geregelt sind und welche Berechtigungen pro Karte gelten, etwa Einschränkungen auf bestimmte Kraftstoffarten oder Länder.
Verschiedene Anbieter und Vertragsmodelle im Vergleich
Der Markt für Treibstoffkarten in Deutschland ist vielfältig. Mineralölgesellschaften wie Shell, Aral oder TotalEnergies bieten eigene Karten an, daneben existieren sogenannte Mehrmarkenkarten von unabhängigen Dienstleistern wie DKV Mobility oder UTA Edenred. Die Konditionen unterscheiden sich nach Netzabdeckung, Rabattsystem, Gebührenstruktur und zusätzlichen Services wie Mautabrechnung oder Werkstattleistungen.
Kosten und Konditionen variieren je nach Anbieter, Fuhrparkgröße und vereinbartem Vertragsmodell. Üblich sind entweder Tankrabatte in Form von Centbeträgen pro Liter, Preisabsprachen auf Basis einer Referenznotierung oder pauschale Servicegebühren. Zusätzlich können monatliche Karten oder Abrechnungsgebühren anfallen. Die folgende Übersicht zeigt typische Größenordnungen ausgewählter Anbieter in Deutschland, ohne Anspruch auf Vollständigkeit.
| Produkt Dienstleistung | Anbieter | Kostenschätzung |
|---|---|---|
| Shell Card | Shell | Häufig keine oder geringe Grundgebühr pro Karte, teilweise 1 bis 3 Cent Rabatt pro Liter, eventuell 1 bis 3 Euro Abrechnungsgebühr pro Monat je nach Vertragsvolumen |
| Aral Fuel Card | Aral BP | Je nach Flottengröße Rabatte von etwa 1 bis 3 Cent pro Liter möglich, teils fixe Servicepauschalen im Bereich weniger Euro pro Monat pro Karte |
| DKV Card | DKV Mobility | Kartengebühren oft im niedrigen einstelligen Eurobereich pro Karte und Monat, Rabatte oder Preismodelle auf Basis von Referenzpreisen, zusätzliche Gebühren für optionale Services wie Maut oder Werkstattnetz |
| UTA Card | UTA Edenred | Ähnliche Größenordnung wie bei DKV, häufig Staffelmodelle nach Monatsumsatz, Karten oder Servicegebühren von wenigen Euro monatlich, Rabatte meist einige Cent pro Liter je nach Vereinbarung |
Preise, Raten oder Kostenschätzungen in diesem Artikel basieren auf den zuletzt verfügbaren Informationen, können sich jedoch im Zeitverlauf ändern. Vor finanziellen Entscheidungen wird eine eigenständige Recherche empfohlen.
Praktische Tipps zur Kosteneinsparung mit der Treibstoffkarte
Eine Treibstoffkarte spart nicht automatisch Geld, sie schafft zunächst Transparenz und Steuerungsmöglichkeiten. Kostenreduktion entsteht vor allem dann, wenn Unternehmen die vorhandenen Daten aktiv auswerten. Dazu gehört, Unterschiede zwischen Tankstellenpreisen im Netz des Anbieters zu analysieren, häufige Fehlbetankungen oder sehr kleine Tankmengen zu identifizieren und Füllmengen mit den Herstellerangaben der Fahrzeuge abzugleichen.
Zudem lohnt es sich, klare Tankrichtlinien zu definieren. Dazu zählen Vorgaben zu bevorzugten Tankstellenketten im jeweiligen Gebiet, maximale Tankmengen pro Vorgang sowie Hinweise zum Tanken außerhalb Deutschlands. Viele Karten erlauben die Sperrung bestimmter Produkte wie Shopartikel oder Premiumkraftstoffe, die nur in begründeten Fällen freigegeben werden. Auch die Wahl des Abrechnungsintervalls kann Liquiditätsvorteile bringen, etwa durch zweiwöchentliche statt wöchentlicher Abrechnung.
Fazit: Vorteile der sachgemäßen Nutzung von Tankkarten
Richtig eingesetzt bieten Treibstoffkarten in Deutschland eine Kombination aus Prozessvereinfachung, Kostentransparenz und potenziellen Einsparungen bei Kraftstoff und Nebenkosten. Sie erleichtern die Buchhaltung, verringern Bargeldbestände im Unternehmen und ermöglichen ein detailliertes Monitoring der Kraftstoffverbräuche einzelner Fahrzeuge oder ganzer Flotten. Gleichzeitig reduzieren einheitliche Prozesse das Risiko von Missbrauch.
Ob Mineralölkarten oder markenunabhängige Flottenkarten sinnvoller sind, hängt von Fahrprofil, Netzanforderungen und Unternehmensgröße ab. Wer die Konditionen mehrerer Anbieter sorgfältig prüft, interne Richtlinien klar kommuniziert und die gewonnenen Daten systematisch auswertet, kann Treibstoffkarten zu einem wirkungsvollen Baustein seiner Fuhrparksteuerung und Kostenkontrolle machen.