Leiden Sie unter einer Angststörung? – Ein einfacher Selbsttest hilft Ihnen, sich besser kennenzulernen

In Schweiz leiden immer mehr Menschen unter Angststörungen. Eine Angststörung ist weder ein Persönlichkeitsmerkmal noch ein Zeichen übermäßiger Sensibilität, sondern eine psychische Erkrankung, die erkannt und behandelt werden kann. Sich gelegentlich unsicher oder ängstlich zu fühlen, ist eine normale Reaktion. Wenn Angst jedoch die Arbeitsleistung, das Lernen oder soziale Aktivitäten beeinträchtigt, sollte man nicht versuchen, sie einfach auszuhalten. Durch frühzeitige Intervention und ein wissenschaftlich fundiertes Management lassen sich Angststörungen in der Regel gut kontrollieren.

Leiden Sie unter einer Angststörung? – Ein einfacher Selbsttest hilft Ihnen, sich besser kennenzulernen Image by Marcel Strauß from Unsplash

Manche Sorgen gehören zum Leben dazu, doch wenn Anspannung, Grübeln oder körperliche Alarmreaktionen häufiger werden, kann es hilfreich sein, genauer hinzuschauen. Selbsttests und kurze Fragebögen dienen dabei nicht dazu, sich selbst eine Diagnose zu stellen, sondern um Hinweise zu sammeln: Wie stark ist die Angst, wie oft tritt sie auf, und in welchen Situationen? Diese Orientierung kann Gespräche mit Fachpersonen erleichtern und dabei helfen, die nächsten Schritte ruhiger und strukturierter zu planen.

Welche frühen Anzeichen einer Angststörung gibt es?

Frühe Anzeichen zeigen sich oft als Mischung aus Gedanken, Körperreaktionen und Verhaltensänderungen. Typisch sind anhaltendes Grübeln, erhöhte Reizbarkeit, Konzentrationsprobleme oder das Gefühl, ständig auf mögliche Risiken vorbereitet sein zu müssen. Körperlich können Herzklopfen, Magenbeschwerden, Zittern, Schwitzen, Enge in der Brust oder Schlafprobleme auftreten. Häufig kommt Vermeidung dazu: Man sagt Termine ab, meidet ÖV-Spitzenzeiten oder Situationen, die früher neutral waren. Wichtig ist der Kontext: Entscheidend ist weniger ein einzelnes Symptom, sondern ob es wiederholt auftritt, über längere Zeit anhält und Alltag, Arbeit oder Beziehungen spürbar beeinträchtigt.

10 einfache Fragen, um Ihr Angstniveau einzuschätzen

Die folgenden Fragen sind als alltagsnaher Selbstcheck gedacht. Notieren Sie für jede Frage einen Wert von 0 bis 3: 0 = gar nicht, 1 = an einzelnen Tagen, 2 = an mehr als der Hälfte der Tage, 3 = beinahe täglich (bezogen auf die letzten zwei Wochen). Addieren Sie am Ende die Punkte. 1) Wie oft fühlen Sie sich nervös, angespannt oder „aufgedreht“? 2) Wie oft fällt es Ihnen schwer, Sorgen zu stoppen? 3) Wie oft kreisen Gedanken um mögliche Katastrophen oder Fehler? 4) Wie oft spüren Sie körperliche Unruhe (z. B. Herzrasen, Zittern, Magen)? 5) Wie häufig vermeiden Sie Situationen aus Angst? 6) Wie oft fühlen Sie sich schnell erschöpft durch Anspannung? 7) Wie stark beeinträchtigt Angst Ihren Schlaf? 8) Wie oft fällt es Ihnen schwer, sich zu konzentrieren? 9) Wie oft suchen Sie Rückversicherung (z. B. wiederholtes Nachfragen, Kontrollieren)? 10) Wie sehr schränkt Angst Ihre Leistungsfähigkeit im Alltag ein? Als grobe Orientierung: 0–4 eher gering, 5–9 leicht erhöht, 10–14 deutlich, ab 15 stark. Diese Einteilung ist nicht diagnostisch, kann aber helfen, Veränderungen über Zeit zu beobachten.

Unterschiedliche Screening-Methoden für verschiedene Angststörungen

Nicht jede Angst zeigt sich gleich. Deshalb gibt es verschiedene Kurzscreenings, die jeweils einen anderen Schwerpunkt setzen. Für generalisierte Angst wird häufig der GAD-7 genutzt (7 Fragen, typische Grenzwerte: 5/10/15 für leicht/mittel/schwer). Für Paniksymptome werden Instrumente wie kurze Panik-Screenings oder der PDSS-SR (Selbstbeurteilung) verwendet, die Häufigkeit und Belastung von Panikattacken abbilden. Bei sozialer Angst sind Fragebögen wie SPIN oder LSAS verbreitet, die Angst und Vermeidung in sozialen Situationen erfassen. Bei Zwangssymptomen (die oft mit Angst verbunden sind) wird teils der OCI-R eingesetzt. Solche Screenings dienen in der Praxis vor allem dazu, Symptome zu strukturieren und Verlauf sowie Behandlungserfolg messbar zu machen.

Welche Vor- und Nachteile hat die Selbsteinschätzung von Angst?

Ein klarer Vorteil: Selbsttests fördern Selbstwahrnehmung. Wer seine Angst in Situationen, Intensität und Auslösern beschreibt, erkennt oft Muster (z. B. Stressphasen, Schlafmangel, Koffein, Konflikte). Zudem können Notizen oder Punktwerte helfen, beim Arzt- oder Therapietermin konkret zu bleiben. Grenzen sind jedoch wichtig: Selbsteinschätzung kann durch Tagesform, Perfektionismus oder Scham verzerrt sein. Manche Menschen unterschätzen Symptome („Ich stelle mich an“), andere werten normale Anspannung als Krankheit. Auch können körperliche Ursachen (z. B. Schilddrüse, Herzrhythmus) ähnliche Beschwerden machen. Deshalb ist ein Selbsttest ein Startpunkt, nicht das Ergebnis.

Ab welchem Schweregrad der Angst sollte man ärztliche Hilfe in Anspruch nehmen?

Professionelle Abklärung ist sinnvoll, wenn Angst über Wochen bis Monate häufig präsent ist, deutlich leidvoll erlebt wird oder Alltag und Beziehungen spürbar einschränkt. Ebenso, wenn Vermeidung zunimmt (z. B. Arbeitsweg, Einkauf, Treffen), Panikattacken auftreten oder Sie ohne ständige Rückversicherung kaum Ruhe finden. Ein weiterer Anlass ist, wenn Schlaf dauerhaft gestört ist, Alkohol/Medikamente als Bewältigungsstrategie wichtiger werden oder depressive Symptome dazukommen. In der Schweiz ist oft der Hausarzt ein guter erster Schritt für eine körperliche Mitabklärung und die Einordnung der Beschwerden; psychologische Psychotherapie oder psychiatrische Abklärung können je nach Situation folgen. Bei akuter Gefahr (z. B. Suizidgedanken, Selbstgefährdung) gelten Notfallwege: medizinischer Notruf 144; Gesprächsangebote wie 143 (Die Dargebotene Hand) oder für Jugendliche 147 können zusätzlich entlasten.

Dieser Artikel dient nur zu Informationszwecken und sollte nicht als medizinischer Rat verstanden werden. Bitte konsultieren Sie eine qualifizierte medizinische Fachperson für eine persönliche Beratung und Behandlung.

Eine Angststörung lässt sich nicht durch einen einzelnen Test „beweisen“ oder ausschliessen, aber Sie können mit einfachen Fragen früh erkennen, ob Ihre Belastung zunimmt. Je genauer Sie Symptome, Auslöser und Folgen beschreiben, desto leichter wird eine fachliche Einordnung. Das Ziel ist nicht Selbstdiagnose, sondern Orientierung: Was genau passiert, wie stark ist es, und welche Unterstützung ist angemessen, wenn Angst beginnt, Ihr Leben zu steuern?