Deutsche bezahlen zu viel für Reifen – das sollten Sie vor dem Kauf wissen.

Reifen sind einer der teuersten Teile im Fahrzeugunterhalt – und trotzdem kaufen viele Deutsche blind nach Preis oder Marke. Dabei entscheiden Größe, Gummimischung und EU-Label über Sicherheit, Verschleiß und Haltbarkeit. Hier sind die wichtigsten Punkte, die Sie vor dem Kauf kennen müssen.

Deutsche bezahlen zu viel für Reifen – das sollten Sie vor dem Kauf wissen.

Sommer, Winter oder Allwetter – welcher Reifen passt zu Ihnen?

Die Wahl des richtigen Reifentyps ist grundlegend für Fahrsicherheit und Komfort. Sommerreifen sind für Temperaturen über 7 Grad Celsius optimiert und bieten auf trockener und nasser Fahrbahn hervorragenden Grip sowie präzises Handling. Ihre Gummimischung ist härter, was den Verschleiß bei hohen Temperaturen reduziert. Winterreifen hingegen verfügen über eine weichere Gummimischung, die auch bei niedrigen Temperaturen elastisch bleibt, und ein spezielles Profil mit Lamellen für besseren Halt auf Schnee und Eis. Sie sind in Deutschland bei winterlichen Straßenverhältnissen gesetzlich vorgeschrieben.

Ganzjahresreifen, auch Allwetterreifen genannt, stellen einen Kompromiss dar. Sie versuchen, die Eigenschaften von Sommer- und Winterreifen zu vereinen. Für Autofahrer, die hauptsächlich in Regionen mit milden Wintern unterwegs sind und keine extremen Fahrbedingungen erwarten, können Ganzjahresreifen eine praktische Option sein. Sie ersparen den saisonalen Reifenwechsel, bieten jedoch in der Regel weder die Spitzenleistung von Sommerreifen im Sommer noch die von Winterreifen im Winter. Die Entscheidung hängt stark von den individuellen Fahrgewohnheiten und den klimatischen Bedingungen in Ihrer Region ab.

Warum kosten manche Reifen das Doppelte – und lohnen sie sich wirklich?

Die Preisspanne bei Reifen ist erheblich und kann von verschiedenen Faktoren beeinflusst werden, darunter die Marke, die Reifengröße, der Reifentyp und die verwendeten Technologien. Premium-Hersteller investieren stark in Forschung und Entwicklung, um innovative Gummimischungen, Profilstrukturen und Karkassenkonstruktionen zu entwickeln. Diese Fortschritte können sich in besseren Fahreigenschaften wie kürzeren Bremswegen, höherer Aquaplaning-Sicherheit, geringerem Rollwiderstand (was den Kraftstoffverbrauch beeinflusst) und einer längeren Lebensdauer niederschlagen.

Ob sich ein höherer Preis lohnt, hängt von den Prioritäten des Autofahrers ab. Wer Wert auf maximale Sicherheit, optimale Performance unter verschiedenen Bedingungen und potenzielle Kraftstoffersparnis legt, könnte von Premium-Reifen profitieren. Für Wenigfahrer oder solche mit einem knappen Budget können auch Reifen aus dem mittleren Preissegment oder Budget-Reifen eine akzeptable Lösung sein, solange sie die gesetzlichen Anforderungen erfüllen und unabhängige Tests eine ausreichende Leistung bescheinigen. Es ist ratsam, Testergebnisse von unabhängigen Organisationen wie dem ADAC zu berücksichtigen.

Online kaufen oder beim Händler? Vorteile und Risiken im Vergleich.

Der Reifenkauf bietet heute zwei Hauptwege: den Online-Handel und den traditionellen Fachhandel. Der Online-Kauf besticht oft durch eine größere Auswahl und potenziell niedrigere Preise, da Online-Anbieter geringere Betriebskosten haben können. Zudem ermöglichen Vergleichsportale einen schnellen Überblick über verschiedene Angebote. Die Lieferung erfolgt meist direkt nach Hause oder zu einer Partnerwerkstatt in Ihrer Nähe, die die Montage übernimmt. Ein Nachteil kann die fehlende persönliche Beratung und die Notwendigkeit sein, selbst eine Werkstatt für die Montage zu finden.

Der Kauf beim lokalen Fachhändler bietet den Vorteil einer persönlichen Beratung durch geschultes Personal. Hier können Fragen zu spezifischen Fahrzeugmodellen, Fahrgewohnheiten und regionalen Anforderungen direkt geklärt werden. Viele Fachhändler bieten zudem ein Komplettpaket aus Kauf, Montage, Auswuchten und Altreifenentsorgung an, was den Prozess für den Kunden vereinfacht. Die Preise können hier tendenziell höher sein, dafür erhalten Kunden oft einen umfassenderen Service und eine direkte Anlaufstelle bei Problemen.

Woran erkennen Sie hochwertige Reifen – auch ohne Expertenwissen?

Auch ohne tiefgehendes Fachwissen können Sie einige Merkmale erkennen, die auf die Qualität eines Reifens hinweisen. Zunächst ist das EU-Reifenlabel eine wichtige Orientierungshilfe. Es informiert über die Kraftstoffeffizienz (Rollwiderstand), die Nasshaftung (Bremsweg bei Nässe) und das externe Rollgeräusch. Reifen mit guten Werten in diesen Kategorien sind in der Regel hochwertiger. Achten Sie auf Klassen wie „A“ für beste Werte und „G“ für schlechteste.

Des Weiteren sind aktuelle Testergebnisse von unabhängigen Automobilclubs oder Fachmagazinen sehr aufschlussreich. Diese Tests bewerten Reifen unter realen Bedingungen und bieten detaillierte Einblicke in deren Performance bei verschiedenen Kriterien. Auch die DOT-Nummer auf der Reifenflanke gibt Auskunft über das Produktionsdatum des Reifens (Woche und Jahr), was wichtig ist, da die Gummimischung über die Jahre an Elastizität verlieren kann. Ein neuer Reifen sollte nicht älter als zwei bis drei Jahre sein.

5 Dinge, die Autofahrer vor dem Kauf immer übersehen.

Beim Reifenkauf gibt es einige oft übersehene Aspekte, die jedoch maßgeblich die Zufriedenheit und Sicherheit beeinflussen können:

  1. Das tatsächliche Produktionsdatum (DOT-Nummer): Ein Reifen gilt auch nach einigen Jahren Lagerung als neuwertig, solange er fachgerecht gelagert wurde. Dennoch ist ein möglichst frisches Produktionsdatum vorteilhaft, um die volle Lebensdauer nutzen zu können.
  2. Die Tragfähigkeits- und Geschwindigkeitsindizes: Diese Kennzahlen müssen den Vorgaben im Fahrzeugschein entsprechen. Ein falscher Index kann nicht nur gefährlich sein, sondern auch zum Erlöschen der Betriebserlaubnis führen.
  3. Der Rollwiderstand und dessen Einfluss auf den Kraftstoffverbrauch: Ein geringerer Rollwiderstand (erkennbar am EU-Label) kann über die Lebensdauer des Reifens erhebliche Kraftstoffkosten einsparen, auch wenn der Reifen in der Anschaffung teurer war.
  4. Das externe Rollgeräusch: Das EU-Label gibt auch Auskunft über die Lautstärke des Reifens. Ein leiserer Reifen erhöht den Fahrkomfort, besonders auf längeren Strecken.
  5. Die Montagekosten und Altreifenentsorgung: Diese Posten werden oft bei der Online-Bestellung unterschätzt. Kalkulieren Sie diese Kosten immer mit ein, wenn Sie Angebote vergleichen, um den Gesamtpreis realistisch zu bewerten.

Produkt/Service Anbieter/Typ Kostenschätzung (pro Reifen)
Budget-Sommerreifen Online-Händler (diverse Marken) 40€ - 70€
Mittelklasse-Winterreifen Fachhändler (z.B. Continental, Goodyear) 80€ - 150€
Premium-Ganzjahresreifen Fachhändler/Werkstatt (z.B. Michelin, Pirelli) 120€ - 200€
Reifenmontage & Auswuchten Werkstatt in Ihrer Nähe 15€ - 30€

Preise, Raten oder Kostenschätzungen, die in diesem Artikel genannt werden, basieren auf den neuesten verfügbaren Informationen, können sich jedoch im Laufe der Zeit ändern. Eine unabhängige Recherche wird vor finanziellen Entscheidungen empfohlen.


Der Kauf von Reifen ist eine Entscheidung, die sowohl die Sicherheit als auch die Wirtschaftlichkeit Ihres Fahrzeugs maßgeblich beeinflusst. Durch eine informierte Herangehensweise, die Berücksichtigung von Reifentyp, Qualität, Anschaffungsort und den oft übersehenen Details, können Autofahrer in Deutschland eine Wahl treffen, die ihren Bedürfnissen optimal entspricht und langfristig Zufriedenheit gewährleistet. Das Wissen um die verschiedenen Faktoren ermöglicht es, ein gutes Preis-Leistungs-Verhältnis zu erzielen und sicher unterwegs zu sein.